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Gebrauchsanweisung für ein Interview: Mike Sain't Louis verrät, welche Fragen er nicht mehr braucht und welche ihn wirklich zum Nachdenken bringen
Der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, hat einen Leitfaden für Journalistinnen und Journalisten veröffentlicht. Eine praktische Anleitung, wie man ihn hört, liest und befragt

Madrid, 25. Oktober 2026. — Normalerweise verschicken Künstler Pressefotos und Lebensläufe. Mike Sain't Louis hat etwas Nützlicheres geschrieben: eine Anleitung, wie man ihn interviewt, ohne die Zeit mit Fragen zu verschwenden, die längst beantwortet sind. Der Text richtet sich an alle, die über ihn schreiben, ob Redaktion, Blog, Podcast oder Seminararbeit. „Das ist keine Liste von Bedingungen“, stellt er klar. „Fragen Sie, was Sie wollen. Das ist eher ein Hinweis.“
Wir haben daraus eine praktische Hör- und Leseanleitung in fünf Schritten gemacht, für alle, die den Indie-Alternative-Künstler aus Madrid und selbsternannten „ersten KI-Singer-Songwriter“ kennenlernen wollen.
Schritt 1: Die Grunddaten in zwei Minuten
Was man nicht mehr fragen muss, steht im Pressebereich seiner Website. Kurzfassung: Er heißt Mike Sain't Louis, mit Apostroph, lebt und arbeitet in Madrid. Er ist Produzent, Texter, Komponist und Art Director, dazu CEO seines eigenen Labels MIKE SAIN'T LOUIS. Sein Projekt heißt PLANETA GAYFOLK: alternativer, queerer Pop auf Spanisch, mit Humor, Camp und einem Hauch Copla. In rund zwei Jahren hat er 273 Singles und mehr als 280 Musikvideos veröffentlicht, bei denen er selbst Regie führt, dazu Hunderte Kurzvideos. Seine Trilogie lässt sich gratis und ohne Registrierung herunterladen.
Eine kleine Bitte gibt er gleich mit: den Apostroph im Namen richtig schreiben. „Ich weiß, dass er seltsam ist. Gerade deshalb ist er mir wichtig.“
Praxistipp: Vor dem Gespräch den Namen einmal korrekt in die Notizen kopieren. Erspart später eine Korrektur.
Schritt 2: Verstehen, wie die Musik entsteht
Der wichtigste Punkt für korrekte Berichterstattung: Mike Sain't Louis singt nicht. Er schreibt sämtliche Texte, die Musik und der Gesang entstehen mit künstlicher Intelligenz, konkret mit Suno, das er als Werkzeug lenkt. Er entscheidet, verwirft, wählt aus. Wer schreibt, er „leihe seine Stimme“ oder „interpretiere seine Songs“, schreibt etwas Falsches. „Das kränkt mich nicht“, meint er, „aber es verwirrt die Leute, und am Ende muss ich das Durcheinander wieder auflösen.“
Auch die Grundsatzfragen, ob das echte Musik sei, ob es Schummelei sei, wer der Autor ist, hat er schriftlich und in Ruhe beantwortet. Ebenso, warum er seine Alben verschenkt. Man kann ihn dazu zitieren. Fragt man trotzdem, bekommt man dieselbe Antwort, „nur mit weniger Witz, weil ich sie schon auswendig kann“.
Praxistipp: Die FAQ auf mikesaintlouis.com lesen. Dann bleibt im Interview Zeit für das, was noch nicht aufgeschrieben ist.
Schritt 3: Einen Song auswählen und eine Zeile mitbringen
Hier beginnt laut Mike der gute Teil. Am liebsten wird er nach seinen Texten gefragt, weil sie ihm die meiste Arbeit machen und am seltensten Thema sind. Wie ein Titel entsteht, warum ein bestimmter Ort und kein anderer, wann ein lustiger Satz zu weit geht.
Sein Rat: irgendeinen Song auf der Website öffnen, den kompletten Text lesen und nach einer einzigen Zeile fragen. „Das zwingt mich, wirklich nachzudenken, und Sie bekommen eine Antwort, die niemand sonst hat.“ Zum Einstieg bietet sich „Tan Cateto“ an, der Song, mit dem ihn 2024 viele auf TikTok entdeckt haben.
Praxistipp: Beim Zitieren den exakten Titel verwenden, mit Großbuchstaben und Anführungszeichen, so wie er auf der Website steht.
Schritt 4: Nach Copla, Label und Videos fragen
Drei weitere Themen, über die er gern spricht:
- Die Copla. Warum ein Genre, das viele mit ihren Großeltern verbinden, für ihn das beste Modell ist, um heute Liebesgeschichten zwischen Männern zu erzählen. „Dazu habe ich lange Meinungen.“
- Das Ein-Personen-Label. Die langweiligen Entscheidungen: in welcher Reihenfolge Singles erscheinen, was verworfen wird, was in der Schublade bleibt. „Das Langweilige ist meistens das Aufschlussreichste.“
- Die Videoclips. Über 280 sind es, und kaum jemand fragt, wie er sie denkt, obwohl sie ihn so viel Zeit kosten wie die Songs.
Praxistipp: Eine Frage pro Bereich reicht. Die Antworten werden lang.
Schritt 5: Zweifel zulassen und Grenzen respektieren
Am meisten schätzt er Fragen nach seinen Zweifeln: was diese Werkzeuge für Musikerinnen und Musiker bedeuten, die von ihrem Handwerk leben; ob es sinnvoll ist, so viel zu veröffentlichen; ob man das alles in ein paar Jahren anders sehen wird. „Mir ist ein Interview mit Zweifeln lieber als eines mit runden Antworten.“
Zwei Grenzen nennt er ebenso deutlich. Über bestimmte private Dinge spricht er nicht, „kein Geheimnis, sondern Gewohnheit“, und es braucht keine drei Anläufe. Und er redet nicht schlecht über andere Künstler, weder über jene, die KI verwenden, noch über die anderen.
Praxistipp: Ein freundliches Nein akzeptieren und weitermachen. Das Gespräch wird dadurch besser, nicht schlechter.
Warum das für Österreich interessant ist
Die Diskussion um künstliche Intelligenz in der Kreativbranche wird auch hierzulande lebhaft geführt, in Redaktionen ebenso wie an Musikunis. Ein Künstler, der offenlegt, wie er arbeitet, und ausdrücklich zu kritischen Fragen einlädt, ist für den heimischen Musikjournalismus ein dankbares Gegenüber. Und weil alle Inhalte auf seiner Website auch auf Englisch vorliegen, lässt sich präzise zitieren, ohne selbst übersetzen zu müssen. Das Pressefoto zeigt ihn übrigens vor einer rauen Steilküste, im Wintermantel, mit Blick zur Seite: ein Motiv, das zur Ernsthaftigkeit dieses Leitfadens passt.
Hören, lesen, herunterladen
Auf https://mikesaintlouis.com gibt es einen Pressebereich, häufige Fragen und für jeden Song eine eigene Seite mit Videoclip, vollständigem Text und Spotify-Link, alles auf Spanisch und Englisch. Die gesamte Musik lässt sich dort gratis anhören und herunterladen; außerdem ist sie auf Spotify, Deezer und allen großen Plattformen verfügbar. Der Leitfaden im Original: https://mikesaintlouis.com/blog/guia-para-periodistas-que-preguntarme-y-que-no-hace-falta
Über Mike Sain't Louis
Mike Sain't Louis ist ein Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst „den ersten KI-Singer-Songwriter“ nennt. Er schreibt alle Texte, produziert, führt künstlerische Regie und leitet sein unabhängiges Label ohne Plattenfirma im Rücken. Sein Universum PLANETA GAYFOLK erzählt in drei Alben, „Descubierto un nuevo planeta llamado GAYFOLK“, „Ojalá se pudiera viajar a GAYFOLK“ und „El día de la liberación“, von der Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. Mit professioneller Unterstützung verarbeitet er darin Jahre in Beziehungen mit narzisstischen Partnern, um psychischen Missbrauch sichtbar zu machen.
Pressekontakt
E-Mail: info@mikesaintlouis.com Web: https://mikesaintlouis.com Instagram: @planetagayfolk