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Film noir, aber in Pink: Warum ich mich auf einem Cover in eine verregnete Gasse gestellt habe – ein Gastbeitrag von Mike Sain't Louis
Der Madrider Indie-Alternative-Künstler, der sich „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, schreibt über das Cover von „Dans la nuit“, über Regen, der im Kino selten echt war, und über den Heimweg mit aufgesetzter Kapuze

Madrid, 25. Oktober 2026
Ein Gastbeitrag von Mike Sain't Louis
Es gibt eine Szene, die das Kino tausendmal wiederholt hat und die ich trotzdem nie satthabe. Nacht, Regen, eine Gestalt geht allein durch eine nasse Gasse, und das Licht der Straßenlaternen spiegelt sich im Asphalt, als wäre der Boden ein zerbrochener Spiegel. Kein Dialog nötig. Mit dem Geräusch des Regens und der Schritte weißt du schon, dass etwas passiert ist oder gleich passieren wird.
Das Cover von „Dans la nuit“ ist genau diese Szene, mit einem Unterschied: Die Gestalt bin ich, und ich trage einen fuchsiafarbenen Regenmantel. Dieser rosa Fleck mitten in einem Film-noir-Bild ist der Grund, warum ich das Foto so mag.
Kurz zu mir, für alle, die mich noch nicht kennen: Ich bin Indie-Alternative-Künstler, lebe in Madrid und nenne mich „der erste KI-Singer-Songwriter“. Ich schreibe jeden Text selbst, komponiere und produziere; Musik und Gesangsinterpretation entstehen mit künstlicher Intelligenz. Das Wort, die Idee und die künstlerische Leitung sind meine. Die Maschine ist mein Instrument.
Meine Regeln für diesen Text
Der Songtext von „Dans la nuit“ ist auf meiner Website noch nicht veröffentlicht. Deshalb zitiere ich hier keine einzige Zeile daraus. Ich verrate auch nicht, was in jener Nacht geschieht – das habe ich mir schon im Begleittext zum Song vorgenommen, und dabei bleibt es. Automatische Untertitel von Plattformen nehme ich auch nicht als Quelle: Sobald Musik läuft, erfinden die mit großer Selbstsicherheit ganze Sätze.
Was bleibt, ist genug. Das Cover, der französische Titel und alles, was rund um dieses Bild liegt: das Kino, der Regen, der Mantel, die Laternen und der Weg nach Hause.
Ein Standbild mit Regen
Das Foto ist frontal aufgenommen. Nasse Haare, ernster Blick direkt in die Kamera, ein Regenmantel in einem fast unverschämten Rosa. Der Regen fällt in dünnen Linien, beinahe wie Kratzer auf altem Filmmaterial. Dahinter verliert sich eine Reihe blau leuchtender Laternen in der Tiefe der Straße, ihre Spiegelungen zittern in den Pfützen. Sonst niemand. Keine Autos, keine offenen Auslagen, kein Lärm aus Lokalen. Nur die Straße, das Wasser, das kalte Licht und ein Kleidungsstück, das wie eine Leuchtreklame wirkt.
Wenn ich es anschaue, denke ich an Kriminalfilmplakate der Vierzigerjahre. Nur hat jemand dem Detektiv den beigen Trenchcoat weggenommen und ihm etwas viel Mutigeres gegeben.
Drei Wörter Französisch
„Dans la nuit“ heißt schlicht „in der Nacht“. Ein Ausdruck aus der ersten Woche jedes Französischkurses. Und doch klingt er nach Romantitel, nach Chanson, nach etwas, das man auf einem Bahnsteig sagt. Englisch klingt nach Tanzfläche, Französisch nach einem Film, den man im Original mit Untertiteln schaut. Das Bild hatte schon etwas von einem Filmstill; der Titel macht es zum Plakat eines Films, den es nicht gibt.
Als das Kino schwarz wurde
Der Begriff Film noir kommt aus dem Französischen und hat eine schöne Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs kamen keine Hollywoodfilme nach Frankreich. Als die französischen Kritiker 1946 auf einen Schlag eine Reihe amerikanischer Filme aus diesen Jahren sahen, fiel ihnen etwas Gemeinsames auf: Sie waren dunkel, pessimistisch, voller nächtlicher Straßen, langer Schatten und gefangener Figuren. Der Kritiker Nino Frank nannte sie „films noirs“, und der Name blieb.
Harte Lichter, die das halbe Gesicht im Schatten ließen. Jalousien, die Streifen an die Wand malten. Und vor allem viel Regen auf dem Asphalt. Dieser Regen war fast nie echt: Die Teams spritzten die Straßen vor dem Dreh nass, damit sie im Scheinwerferlicht glänzten.
Und noch etwas, das mir wichtig ist. Die damalige Zensur in Hollywood, der sogenannte Hays Code, verbot es, Homosexualität offen zu zeigen. Also deuteten die Drehbuchautoren sie an: raffinierte Schurken, androgyn wirkende Sekretärinnen, Freundschaften, die eine Spur zu innig waren. Der Film noir ist voller LGBTI-Figuren, die sich in den Schatten verstecken. Mein rosa Regenmantel ist auch eine kleine Antwort darauf. Ich verstecke mich nicht im Schatten. Ich stehe mitten im Licht der Laterne, in der auffälligsten Farbe, die mir eingefallen ist.
Warum gerade Wien das verstehen müsste
Ich weiß, dass ich hier für ein österreichisches Publikum schreibe, und ich muss an Wien denken. Diese Stadt hat mit „Der dritte Mann“ selbst einem der berühmtesten Filme dieser Ästhetik die Kulisse gegeben: nasses Kopfsteinpflaster, Laternen, Schatten auf Hausmauern. Wer damit aufgewachsen ist, liest mein Cover sofort. Und wer es heute mit queeren Augen anschaut, sieht vielleicht auch, was in den alten Filmen fehlen musste.
Ein Rat für den Heimweg
In meinem Begleittext habe ich „Dans la nuit“ für eine ganz bestimmte Situation empfohlen: an einem Regentag nach Hause gehen, Kapuze auf. Dabei bleibe ich. Kein Kinosaal, keine Party. Nur du, der Gehsteig, die Lichter in den Lacken und eine Geschichte, die ich dir nicht erzähle, weil du sie dir selbst zusammensetzen sollst. Vielleicht riechst du dabei auch die nasse Erde, diesen Duft, den kein Cover der Welt einfangen kann und den trotzdem jeder kennt, der einmal im Regen heimgegangen ist.
Wo man es hört
„Dans la nuit“ und mein ganzer Katalog, 273 Singles, lassen sich gratis anhören und herunterladen auf https://mikesaintlouis.com, jeder Song mit eigenem Text, sobald er veröffentlicht ist. Verkauft wird nichts. Außerdem gibt es meine Musik auf Spotify, Deezer und den wichtigsten Plattformen. Den ausführlichen Text findest du in meinem Blog: https://mikesaintlouis.com/blog/cine-negro-con-chubasquero-rosa-dans-la-nuit-la-lluvia-de-pelicula-y-el-camino-de-vuelta-a-casa
Mike Sain't Louis
Über den Autor: Mike Sain't Louis ist Indie-Alternative-Künstler aus Madrid und nennt sich „der erste KI-Singer-Songwriter“. Als Texter, Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und CEO seines unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS hat er ohne Plattenfirma in rund zwei Jahren PLANETA GAYFOLK aufgebaut: 273 Singles, mehr als 280 Musikvideos und die GAYFOLK-Trilogie, drei Alben als eine einzige Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. Viele entdeckten ihn 2024, als „Tan Cateto“ auf TikTok viral ging.
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