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Aus Scheu auf Englisch: Warum Mike Sain't Louis für «The Great Depression» seine Muttersprache beiseitelegte

Der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich «der erste KI-Singer-Songwriter» nennt, erzählt in seinem Blog, wie ein Liebeslied aus dem Herbst 1929 entstand – und warum darin eine Hemdmanschette wichtiger ist als ein Kuss

Mann mit dunklen, lockigen Haaren und Bart in einem weinroten Cordhemd steht in warmem, gedämpftem Licht zwischen Reihen von Vinylplatten und blickt in die Kamera.
Mike Sain't Louis in einem Plattenladen zwischen Regalen voller Vinylplatten.

Madrid, 25. Oktober 2026 – Ein Songwriter, dessen Texte sonst von Supermarktschlangen, Dating-Apps, Benidorm und Kreuzfahrten mit Kroketten handeln, wählt für eines seiner zärtlichsten Lieder eine fremde Sprache – und zwar aus Scheu. Auf Spanisch, sagt Mike Sain't Louis, hätte er diesen Text nicht schreiben können, ohne einen Witz hineinzuschmuggeln. Also schrieb er «The Great Depression» auf Englisch. In einem neuen Blogbeitrag erklärt der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst «der erste KI-Singer-Songwriter» nennt, wie dieses Lied über zwei Männer im Herbst 1929 entstanden ist.

Wer dahintersteht

Mike Sain't Louis schreibt alle seine Songtexte selbst. Er ist Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und CEO seines eigenen unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS, ohne Plattenfirma und ohne Zwischenhändler. Musik und Gesangsinterpretation entstehen mit künstlicher Intelligenz, die er als Produktions- und Arrangierwerkzeug einsetzt; Worte, Idee und künstlerische Richtung stammen von ihm. In rund zwei Jahren ist so das Projekt PLANETA GAYFOLK gewachsen: 273 Singles und mehr als 280 Musikvideos.

Ein Titel mit doppeltem Boden

Viele haben ihn gefragt, warum er so weit weggegangen ist – nach 1929, in die USA, ins Englische. Die erste Antwort ist eine Frage der Distanz. Wenn er über sein eigenes Leben schreibt, über Ex-Partner oder durchfeierte Nächte, steckt er so tief drin, dass er manchmal nichts mehr sieht. Wut, Lachen und Kater vermischen sich. Für Lieder mit Pointe ist das ein fruchtbarer Boden, für etwas Klares weniger.

«Ich brauchte einen Ort, an dem es keinen einzigen Ex von mir und keine bekannte Nachbarin gab. Einen Ort in Schwarzweiss», schreibt er.

Auf den Börsenkrach von 1929 kam er wegen eines Wortspiels: «Depression» bedeutet zweierlei. Die wirtschaftliche Krise aus den Geschichtsbüchern, mit Schlangen vor den Brotausgaben und ruinierten Bankiers. Und jene andere, die einen von innen befällt, wenn einem jemand genommen wird. Ein Titel mit doppeltem Boden, «wie die Koffer von Schmugglern».

Englisch als fremder Anzug

Dann der eigentliche Kern. Auf Spanisch, erklärt Mike, meldet sich bei ihm sofort die «loca», die Tunte mit dem Barkommentar. Sobald ein Text ernst wird, sucht sein Madrider Spanisch einen Notausgang: ein «tía», ein Schimpfwort, einen Spruch. Das sei seine Art zu überleben, und er liebe sie. Hier aber stand sie im Weg.

«Im Englischen habe ich diese Abkürzungen nicht. Mein Englisch ist förmlicher, eher wie im Film. Das hat mich gezwungen, ohne Netz zu schreiben, die Sätze stillstehen zu lassen und keine Witze zu machen», so Mike Sain't Louis. Es sei gewesen, als ziehe er einen Anzug an, der nicht seiner ist, und entdecke darin Gesten, die er sonst nie macht. Nicht besser, nicht schlechter. Anders. Die Sprache zu wechseln, heisst für ihn auch, den Charakter zu wechseln.

Oktober wie billiger Gin

Das Lied beginnt mit einem Bild, das ihn lange gekostet hat: Der Oktober biss wie billiger Gin in der Kehle. Der erste Vers sollte körperlich sein, kein Datum aus einem Buch, sondern ein Gefühl – etwas, das beim Schlucken brennt und das man trinkt, weil es nichts anderes gibt.

Danach folgt die Kulisse: Männer, die ihren Hut festhalten wie ihren Stolz, ein Radio im Schaufenster, das Jazz hustet, eine Schlagzeile, die das Land herausschreit. Mitten darin das Entscheidende: Jemand greift nach dem Handgelenk des Erzählers, als die Menge drängt.

«But you leaned in close, not quite a kiss, / And that was the first crash: wanting this.»

Beinahe ein Kuss. Der erste Absturz im Lied ist nicht jener der Börse, sondern einer im Inneren. «Die Börse fällt für alle. Das andere fällt nur für zwei, und man kann es niemandem erzählen», schreibt Mike.

Dienstags über einer Bar

Die zweite Strophe liest sich wie eine Mietwohnung, beschrieben von einem Makler mit gebrochenem Herzen. Die beiden mieten dienstagabends ein schmales Zimmer über einer Bar. Ein geliehenes Glas. Seine Krawatte hängt ordentlich an einem Haken in der Küche.

Dass es ausgerechnet Dienstage sind, ist kein Zufall. Sie wohnen nicht zusammen, es ist nicht ihr Zuhause, sondern ein Tag pro Woche, ein Zimmer auf Zeit. So sah die Liebe zwischen Männern für viele damals aus – und in anderen Epochen auch: ein gestohlenes Stück Woche, ein Ort, der einem nicht gehört.

Und dann die Szene, in der für Mike die ganze Liebesgeschichte steckt: Ein Mann richtet dem anderen die Hemdmanschette, bevor dieser auf die Strasse geht. Kein Bett, keine Erklärung. Zwei Hände, ein falsch gefalteter Stoff, eine Geste von fünf Sekunden an der Tür eines gemieteten Zimmers. Die Geschichtsbücher notieren so etwas nicht. Das Lied schon.

Warum das Schweizer Publikum hinhören sollte

In einem Land, in dem viele Menschen täglich zwischen Sprachen wechseln, ist Mikes Beobachtung gut nachvollziehbar: Eine andere Sprache verändert, was man sagen kann und wie. «The Great Depression» zeigt zudem eine ruhigere Seite eines Künstlers, der sonst für frechen, unzensierten queeren Pop voller Humor und Camp steht – von Electropop über Copla bis zur Ballade, auf Spanisch, Englisch, Französisch oder Portugiesisch. Das Foto zu dieser Mitteilung zeigt ihn passend dazu in einem Plattenladen, zwischen Regalen voller Schallplatten.

Hören und herunterladen

Die gesamte Musik von Mike Sain't Louis kann auf https://mikesaintlouis.com gratis gehört und heruntergeladen werden, jeweils mit dem Songtext. Der vollständige Blogbeitrag (auf Spanisch): https://mikesaintlouis.com/blog/el-puno-de-la-camisa-lo-que-los-libros-de-historia-no-apuntan-en-the-great-depression. Die Lieder sind ausserdem auf Spotify, Deezer und den wichtigsten Plattformen verfügbar.

Über Mike Sain't Louis

Mike Sain't Louis ist ein Indie-Alternative-Künstler mit Sitz in Madrid, der sich als «der erste KI-Singer-Songwriter» bezeichnet. Seine GAYFOLK-Trilogie – «Descubierto un nuevo planeta llamado GAYFOLK», «Ojalá se pudiera viajar a GAYFOLK» und «El día de la liberación» – erzählt von der Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. Viele Menschen entdeckten ihn 2024, als «Tan Cateto» auf TikTok viral ging. Mit professioneller Unterstützung verarbeitet er Jahre in Beziehungen mit narzisstischen Partnern zu Musik, um psychischen Missbrauch sichtbar zu machen.

Pressekontakt: info@mikesaintlouis.com · https://mikesaintlouis.com · Instagram @planetagayfolk