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Alemania ·

Keine Jury, kein doppelter Boden: Mike Sain't Louis erklärt »Chihuahua« zu seinem ironiefreiesten Song

Der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich »der erste KI-Singer-Songwriter« nennt, schreibt über eine Tanzfläche, auf der nur ein Hund zusieht – und darüber, was passiert, wenn ein notorischer Spötter für drei Minuten die Augenbraue senkt

Mann mit schwarzen Locken und Bart in brauner Wachsjacke und dunklem Pullover, der auf einem Felsen an einem grünlichen See sitzt; im Hintergrund schneebedeckte Berge und Nebel.
Mike Sain't Louis am Bergsee: Abseits der Clubs denkt der Madrider Künstler darüber nach, warum ausgerechnet ein Hund der ehrlichste Tanzpartner ist.

Madrid, 25. Oktober 2026. Wer die Musik von Mike Sain't Louis kennt, rechnet mit einem Haken. Ein Liebeslied entpuppt sich als Abrechnung, ein Witz über Kroketten auf einem Kreuzfahrtschiff als Spott über eine bestimmte Sorte Ehe. Umso bemerkenswerter ist, was der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst »den ersten KI-Singer-Songwriter« nennt, jetzt über einen seiner Songs schreibt: »Chihuahua« habe keinen doppelten Boden. Ein junger Mann, sein Hund, eine Diskothek. Mehr nicht.

In einem ausführlichen Text auf seinem Blog nennt er das Stück »wahrscheinlich das am wenigsten ironische Lied, das ich geschrieben habe«. Und er fügt hinzu, dass das in einem Katalog wie seinem mehr Gewicht habe, als man denkt.

Ein Cover, auf dem der Hund die Hauptrolle spielt

Schon das Cover verrät, wer hier das Sagen hat. Ein Mann im pinkfarbenen Anzug, schwarzes Hemd offen, eine dicke Uhr am Handgelenk, hockt auf nassem Asphalt wie für ein Magazin der fünfziger Jahre. Neben ihm ein kaugummirosa Oldtimer mit runden, eingeschalteten Scheinwerfern und dem Kennzeichen MSL 777. Dahinter ein Diner mit pinkfarbenen Neonröhren, die Lichter einer Stadt am Wasser, in der Ferne ein Vulkan mit glühender Spitze. Und ganz vorne, mit dem Blick eines Wesens, das genau weiß, wer hier der Star ist: ein brauner Chihuahua mit goldener Kette.

»Achte auf die Reihenfolge«, schreibt Mike Sain't Louis. »Der Typ im Anzug hockt. Der Hund steht vorne. Wer wirklich posiert, ist der Hund.«

Der Song gehört zu »Descubierto un nuevo planeta llamado Gayfolk«, dem ersten Album seiner GAYFOLK-Trilogie, und ist auf Englisch geschrieben.

Ein Katalog mit doppeltem Boden

Der Künstler macht kein Geheimnis daraus, wie er sonst arbeitet. Fast alles in seinem Werk hat zwei Ebenen: Die erste soll zum Lachen bringen, die zweite soll piken. »Das ist meine Art zu schreiben, und ich habe nicht vor, sie zu ändern«, sagt er.

Bei »Chihuahua« jedoch ist die zweite Ebene identisch mit der ersten. Hinter dem Hund versteckt sich kein Ex-Freund, zwischen dem Bellen keine verschlüsselte Botschaft, nirgends ein Seitenhieb. Der Text wiederholt, dass das Leben süß ist, und meint es so. Für Mike Sain't Louis ist genau diese Seltenheit der Reiz: »Was passiert, wenn jemand, der sein Leben mit hochgezogener Augenbraue verbringt, sie für drei Minuten senkt?«

Die Tanzfläche ohne Blicke

Für viele queere Menschen war die Tanzfläche der erste Ort, an dem sie sich zu Hause fühlten. Doch der Künstler erinnert auch an ihre grausame Seite: Sie ist voller Blicke. Wer gut tanzt, wer schlecht, wer allein gekommen ist, wer das T-Shirt vom letzten Jahr trägt.

In »Chihuahua« verschwinden diese Blicke. Der Tanzpartner ist ein Hund, und ein Hund hat keine Ahnung, ob man sich gut oder schlecht bewegt. Es ist ihm egal. Wichtig ist nur, dass man da ist und gemeinsam etwas tut. »We sync up, get into the groove«, heißt es im Text. Der gemeinsame Rhythmus entsteht nicht durch eine einstudierte Choreografie, sondern durch Aufmerksamkeit. Gerade für jemanden, der viele Nächte mit der Angst ausgegangen ist, sich lächerlich zu machen, sei das eine kostbare Vorstellung, schreibt der Künstler.

»Stell dir eine Disco vor, in der die einzige Meinung, die zählt, die von jemandem ist, der dich bedingungslos liebt«, schreibt er. »Keine Jury. Keine Kommentare auf der Toilette. Nur Licht, Bass und Pfoten, die im selben Takt auf den Boden klopfen wie deine Füße.«

Bellen statt Schreien

Eine Zeile amüsiert den Autor besonders: »Bark it out, feel the heat«. Wo in jedem anderen Clubsong ein Schrei mit erhobenen Armen stünde, wird hier gebellt. Für Mike Sain't Louis ist das mehr als ein Gag. Schreien in der Disco heißt, etwas loszulassen, was sich die Woche über angestaut hat. Bellen sei dasselbe, nur ohne Worte: ein Laut ohne Grammatik, der nicht schiefgehen kann. »Niemand bellt mit Rechtschreibfehlern.«

Der veröffentlichte Text spielt diese Idee bis zum Äußersten aus, bis der ganze Song wie ein festlicher Hundezwinger klingt. Mit einem Augenzwinkern merkt der Künstler an, dass der Unterschied zu manchen Partys um drei Uhr morgens gar nicht so groß sei.

Warum der Song in Deutschland Gehör verdient

Deutschland hat eine lange und lebendige Clubkultur, und die Frage, wie frei man sich auf einer Tanzfläche wirklich bewegen kann, kennt hier fast jeder, der nachts unterwegs ist. »Chihuahua« beantwortet sie auf entwaffnend einfache Weise: indem es den Blick der anderen einfach aus dem Raum nimmt. Dazu ist der Song auf Englisch geschrieben und damit ohne Spanischkenntnisse zugänglich – ein guter Einstieg in einen Katalog, der sonst stark mit der spanischen Sprache spielt.

Gleichzeitig zeigt der Text eine Seite des Künstlers, die man bei ihm selten sieht. Wer ihn nur von seinen bissigen, unzensierten Songs über Ex-Partner und neugierige Nachbarinnen kennt, begegnet hier einem Lied, das einfach Zuneigung feiert – die zu einem Tier.

Hören und herunterladen

Die gesamte Musik von Mike Sain't Louis ist auf mikesaintlouis.com kostenlos zu hören und herunterzuladen, zu jedem Song gibt es dort den Text. Außerdem ist sie auf Spotify, Deezer und den wichtigsten Plattformen verfügbar. Den vollständigen Blogbeitrag gibt es hier: mehr in seinem Blog.

Über Mike Sain't Louis

Mike Sain't Louis lebt und arbeitet in Madrid. Er ist Texter, Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und CEO seines eigenen unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS – ohne Plattenfirma, ohne Zwischenhändler. Jeden Text schreibt er selbst; Musik und Gesangsstimme entstehen mit künstlicher Intelligenz, die er als Werkzeug für Produktion und Arrangement einsetzt. Sein Projekt PLANETA GAYFOLK umfasst 273 Singles und mehr als 280 Musikvideos, entstanden in rund zwei Jahren Arbeit. Im Zentrum steht die GAYFOLK-Trilogie, drei Alben als eine einzige Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. Stilistisch bewegt er sich zwischen Electropop, Copla, Alternative Pop und Ballade, auf Spanisch, Englisch, Französisch und Portugiesisch. 2024 ging sein Song »Tan Cateto« auf TikTok viral.

Pressekontakt

E-Mail: info@mikesaintlouis.com Website: https://mikesaintlouis.com Instagram: @planetagayfolk