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Alemania ·

Umkleide, Tribüne, Schrank: Mike Sain't Louis nimmt den Satz „Ich bin Sportler und ein echter Kerl“ auseinander – mit Zahlen aus Köln

Der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, verbindet zwei Zeilen aus seinem GAYFOLK-Kosmos mit der europäischen Outsport-Umfrage zu Queerfeindlichkeit im Sport

Ein Mann mit dunklen, lockigen Haaren und Bart in einem weinroten Samtsakko steht in einem Tonstudio mit Holzlamellen an den Wänden; links sind ein Mischpult und Lautsprecher zu sehen, rechts ein Kondensatormikrofon auf einem Ständer.
Mike Sain't Louis im Tonstudio: Hier werden aus Sätzen, die man auf dem Schulhof und im Stadion aufschnappt, Songs mit Widerhaken.

Madrid, 25. Oktober 2026. „Tienes pluma y eres afeminado, / Yo soy deportista y un buen macho“ – sinngemäß: „Du bist tuntig und weibisch, ich bin Sportler und ein echter Kerl.“ Diese zwei Zeilen stammen aus dem Titelsong des Albums „Descubierto un nuevo planeta llamado Gayfolk“ von Mike Sain't Louis. Gesprochen werden sie von einer Figur, die der Autor ausdrücklich nicht ist: dem typischen Angeber aus der Dating-App, der erst eine Mängelliste verschickt und dann blockiert. In einem neuen Text auf seinem Blog holt der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, diese Zeilen aus dem Handy und trägt sie dorthin, wo das Denken dahinter seiner Ansicht nach den größten Schaden anrichtet: in Umkleidekabinen, auf Spielfelder, auf Tribünen und in die Verbände.

Zwei Mannschaften, die es nicht gibt

Die Figur im Song teilt die Welt in zwei Lager. Auf der einen Seite steht der Sport, auf der anderen die „pluma“, wie man im Spanischen die sichtbar feminine Art mancher schwuler Männer nennt. Sportler gleich Mann, feminin gleich schwach und peinlich. In derselben Strophe, die auch in einem zweiten Song des Katalogs auftaucht, folgt ein Befehl, über den Mike Sain't Louis bis heute lachen muss, weil er so absurd ist: Mach doch mal Sport, Romeo.

„Diese Idee habe ich nicht für das Lied erfunden“, sagt er. „Ich habe sie mein Leben lang gehört, auf dem Schulhof, im Fernsehen und im Stadion. Im Song lasse ich eine Figur sie aussprechen, damit wir alle darüber lachen können. Im Sport ist sie leider kein Witz.“

Über weite Teile des 20. Jahrhunderts, so argumentiert er, sei der moderne Sport als Schule der Männlichkeit inszeniert worden: Disziplin, Kraft, keine Tränen. Ein femininer Junge galt als Störfall, ein Mädchen mit Kraft als verdächtig. Beide Etiketten dienten demselben Zweck: niemanden aus seinem Kästchen zu lassen.

Was die Zahlen aus Köln sagen

Für ein deutsches Publikum hat der Text einen besonderen Bezugspunkt: Die wichtigste Datenquelle, auf die sich Mike Sain't Louis stützt, kommt aus Köln. 2019 veröffentlichte das Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln die Ergebnisse von Outsport, der ersten EU-weiten Umfrage zu den Erfahrungen von LGBTI-Personen im Sport. Mehr als 5.500 Menschen aus den damals 28 EU-Staaten zwischen 16 und 78 Jahren nahmen teil, im Durchschnitt waren sie 27 Jahre alt.

Der Künstler gibt einige Ergebnisse so wieder, wie das Projekt selbst sie zusammenfasst:

  • Fast 90 Prozent halten Homophobie und vor allem Transphobie für ein aktuelles Problem im Sport.
  • 20 Prozent haben eine Sportart, die sie interessierte, wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität aufgegeben; unter trans Personen sind es 54 Prozent. Am häufigsten genannt werden Fußball, Tanz, Schwimmen und Boxen.
  • Ein Drittel der Sporttreibenden hat im sportlichen Umfeld niemandem von Orientierung oder Identität erzählt.
  • 16 Prozent erlebten in den zwölf Monaten davor mindestens eine negative Situation; bei trans Frauen waren es 46 Prozent.
  • Von denen, die Negatives erlebten, wurden 82 Prozent beleidigt, 75 Prozent erfuhren strukturelle Benachteiligung. Dazu kamen Drohungen (44 Prozent), Belästigung im Netz (40 Prozent), Schubsen oder unerwünschter Körperkontakt (36 Prozent) und körperliche Gewalt (20 Prozent).
  • Mehr als ein Drittel kannte keine Organisation und keine Person, an die man sich bei Diskriminierung im Sport hätte wenden können.

„Ein Fünftel hört mit einem Sport auf, den es eigentlich mag“, sagt Mike Sain't Louis. „Das ist für mich die traurigste Zahl. Da wird kein Skandal daraus, da fehlt einfach jemand beim nächsten Training. Und kaum einer fragt, warum.“

Wer es sagen darf und wer nicht

Die Wirklichkeit, schreibt er, widerlege die Grenze zwischen Sport und „pluma“ jeden Tag. Es gebe schwule, lesbische, bisexuelle und trans Sportlerinnen und Sportler in allen Disziplinen, mit und ohne feminine Gesten, im Spitzensport wie in der Hobbyliga. Was fehle, sei die gleiche Erlaubnis, darüber zu sprechen. Im Frauenfußball redeten viele Spielerinnen ganz selbstverständlich über ihre Partnerinnen. Im professionellen Männerfußball dagegen ließen sich aktive Spieler, die es öffentlich erzählt haben, an einer Hand abzählen.

Dabei schreibt er ausdrücklich nicht als Leistungssportler und spricht auch nicht in deren Namen. Er schreibt als Texter, Komponist und Musikproduzent, der jahrelang den spanischen Satz „eso es de maricas“ gehört hat – „das ist was für Schwuchteln“ –, angewendet auf fast alles. Der vollständige Blogtext geht außerdem darauf ein, was die spanischen Gesetze seit 2023 zu dem Thema sagen und was man tun kann, wenn man bei einem Spiel beleidigt wird, ob auf dem Platz oder auf der Tribüne.

Ein Lied, das keinen Fußball mag

Der neue Text hat ein Gegenstück. In „El examen del lunes“ schrieb Mike Sain't Louis über den Druck, sich mit Fußball auskennen zu müssen, um als „richtiger Mann“ durchzugehen – ausgehend von seinem Song „No me gusta el fútbol“ („Ich mag keinen Fußball“). Dort ging es um Geschmack. Diesmal, betont er, gehe es um das, was im Inneren des Sports passiert.

„Ich habe nichts gegen den Ball“, sagt er. „Ich habe etwas gegen die Vorstellung, dass ein Mann erst dann einer ist, wenn er schwitzt und dabei bloß nicht weich wirkt. In meinen Liedern darf diese Vorstellung laut sein, damit man sie auslachen kann. In der Kabine sollte sie endlich leise werden.“

Das Pressefoto zeigt ihn deshalb nicht im Stadion, sondern im Tonstudio.

Über die Arbeit hinter PLANETA GAYFOLK

Mike Sain't Louis schreibt sämtliche Texte selbst. Musik und Gesangsinterpretation entstehen mit künstlicher Intelligenz als Werkzeug für Produktion und Arrangement; Wort, Idee und künstlerische Leitung liegen bei ihm. In rund zwei Jahren Arbeit ist so PLANETA GAYFOLK entstanden: 273 Singles und mehr als 280 Musikvideos, gebündelt in einer Trilogie, die als eine einzige Reise gedacht ist – „Descubierto un nuevo planeta llamado Gayfolk“, „Ojalá se pudiera viajar a GAYFOLK“ und „El día de la liberación“. Ziel der Reise ist ein Planet, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist.

Hören und herunterladen

Alle Songs lassen sich auf https://mikesaintlouis.com kostenlos anhören und herunterladen, jeweils mit vollständigem Text. Die Musik ist außerdem auf Spotify, Deezer und den wichtigsten Plattformen zu finden. Mehr im Blog: https://mikesaintlouis.com/blog/yo-soy-deportista-y-un-buen-macho-lgtbifobia-en-el-deporte-vestuarios-gradas-y-armarios

Über Mike Sain't Louis

Mike Sain't Louis ist ein Indie-Alternative-Künstler aus Madrid und nennt sich „der erste KI-Singer-Songwriter“. Er ist Texter, Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und CEO seines unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS, ohne Plattenfirma und ohne Zwischenhändler. Seine Lieder, auf Spanisch und auch auf Englisch, Französisch oder Portugiesisch, pendeln zwischen Electropop, Alternative Pop, Ballade und Copla und erzählen frech, unzensiert und mit viel Camp von Liebe, Exfreunden, neugierigen Nachbarinnen, queerem Alltag in Spanien und psychischer Gesundheit. Viele entdeckten ihn 2024, als „Tan Cateto“ auf TikTok viral ging.

Pressekontakt

E-Mail: info@mikesaintlouis.com Web: https://mikesaintlouis.com Instagram: @planetagayfolk