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Alemania ·

„Überrascht ist höchstens, wer zuschaut“: Mike Sain't Louis über das Dorf voller Liebespaare in seinem Videoclip zu „Que isso“

Ein Gespräch mit dem Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, über zwei Reiter im Abendlicht, Wimpelketten über Pflastergassen und die Frage, warum Normalität manchmal das Überraschendste ist

Mike Sain't Louis steht zwischen Pflanzen in einem Gewächshaus aus Glas.
Mike Sain't Louis in einem Gewächshaus.

Madrid, 25. Oktober 2026. Mike Sain't Louis schreibt alle Texte seines Projekts PLANETA GAYFOLK; Musik und Gesangsinterpretation entstehen mit künstlicher Intelligenz, die er als Produzent und künstlerischer Leiter steuert. In seinem Blog hat der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst „der erste KI-Singer-Songwriter“ nennt, gerade den Videoclip zu „Que isso“ Szene für Szene auseinandergenommen. Wir haben ihn dazu befragt.

Herr Sain't Louis, was bedeutet „Que isso“ eigentlich?

In Brasilien rutscht einem das heraus, wenn einen etwas kalt erwischt. Es ist keine Beleidigung und auch kein Kompliment. Es ist das Gesicht, das man macht, wenn die Wirklichkeit vom Drehbuch abweicht, das man im Kopf hatte. Deshalb hat mir der Ausdruck als Titel gefallen.

Und was ist im Clip das Überraschende?

Kein Spezialeffekt, kein Monster, keine unmögliche Kulisse. Sondern etwas viel Einfacheres: ein ganzes Dorf voller Paare, die sich lieben, in allen Altersstufen und in allen Kombinationen, und niemand auf dem Bildschirm zieht auch nur eine Augenbraue hoch. Überrascht ist höchstens, wer zuschaut.

Ordnen Sie den Song bitte kurz ein.

Er gehört zu „El día de la liberación“, dem dritten Album der GAYFOLK-Trilogie, und ist in meinem Katalog Nummer 72 von 273. Auf dem Videokanal steht er an Position 85. Das Video dauert drei Minuten und vierundzwanzig Sekunden. Ich habe es am 23. September 2025 auf YouTube hochgeladen, an einem Dienstag um halb drei Uhr nachts Madrider Zeit.

Eine ungewöhnliche Uhrzeit für eine Premiere.

Ja, eine seltsame Stunde, um irgendetwas zu veröffentlichen. Aber es ist auch die Stunde, zu der ich meistens mit dem Schnitt fertig werde.

Der Songtext ist noch nicht veröffentlicht. Wie spricht man dann über das Lied?

Über das, was man sieht. Ich zitiere in meinem Text keinen einzigen Vers, alles, was ich erzähle, kommt aus den Bildern. Und aus der Beschreibung auf YouTube: Da stehen nur der Titel und eine Reihe Hashtags, fast alle auf Portugiesisch, etwa #Brasil, #Sertanejo, #FunkBrasileiro, #Orgulho, #Amor, #Diversidade, #Inclusao, #Resistencia. Das ist eine ziemlich deutliche Spur. Sertanejo ist die ländliche Musik Brasiliens, die mit den Stiefeln, den Pferden und den Dorffesten. Der Rest spricht von Liebe, Vielfalt und Widerstand.

Wie viel davon ist Regie?

Bei Videoclips bin ich eher Cutter als Regisseur. Ich generiere viele Szenen, wähle aus, verwerfe, ordne und schneide. In diesem Fall war die wichtigste Entscheidung, welche Paare hineinkommen und in welcher Reihenfolge.

Wie beginnt der Clip?

Mit dem Titel in weißer, runder Handschrift, „Que isso“, und meinem Namen in der rechten Ecke, in derselben Schrift. Darunter sanfte Hügel, das Gras golden im Nachmittagslicht, ein Feldweg, auf dem sich zwei Reiter entfernen. Man sieht sie von hinten, jeder auf seinem Pferd, Seite an Seite, auf eine Sonne zu, die gleich hinter den Kuppen verschwindet.

Ein klassisches Schlussbild aus dem Western.

Genau. Zwei Menschen, die gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten, sind das Schlussbild jedes zweiten Westerns. Bei mir ist es das erste. Man sieht ihre Gesichter nicht, und das braucht es auch nicht.

Danach wechselt die Landschaft abrupt.

Etwa ab Sekunde sechs sind wir in einer Schlucht mit rötlichen Wänden, und unten fließt ein breiter, blauer Fluss, so flach, dass man darin gehen kann. Ein Paar tut genau das: er in hellem T-Shirt und kurzer Hose, sie in einem gelben Kleid, von hinten gesehen, Hand in Hand, das Wasser bis zu den Knöcheln. Mir gefällt, dass sie nirgendwohin Bestimmtes gehen. Der Fluss ist der Weg.

Und dann wird es dörflich.

Um Sekunde zwölf taucht ein Hof aus gestampfter Erde auf, niedrige, weiß gekalkte Häuser mit Blechdächern, Hühner, die herumpicken. Ein junges Paar umarmt sich mitten darin. Das ist die erste Einstellung, die wirklich nach Dorf riecht: Staub, Hühner, Alltagskleidung. Gleich danach, um Sekunde achtzehn, geht die Kamera in eine Pflastergasse mit roten, gelben und ockerfarbenen Häusern. Über der Straße hängen von Fassade zu Fassade Hunderte bunter dreieckiger Wimpel. Leute spazieren, und im Vordergrund tanzt ein Paar eng umschlungen.

Solche Wimpelketten kennt man von vielen Dorffesten.

Sie sind der Schmuck von Volksfesten in halb Europa, auch in Spanien. In Brasilien gehören sie untrennbar zu den Festas Juninas, den großen Junifesten, wenn die Dörfer Feuer, Lampions und ländliche Musik auf die Straße holen. Am Ende des Videos kommen die Wimpel noch einmal zurück.

Sie schreiben die Texte, die KI übernimmt Musik und Gesang. Wie fühlt sich das beim Video an?

Ähnlich. Das Wort und die Idee kommen von mir, die künstliche Intelligenz ist mein Werkzeug. Beim Clip liefert sie mir Bilder, und ich entscheide, was davon wirklich zu meiner Geschichte gehört. Vieles davon landet im Papierkorb.

Warum sollte ein deutsches Publikum einen Clip mit portugiesischem Titel ansehen?

Weil man für dieses Video keine Sprache braucht. Was man sieht, sind Paare in Alltagsszenen, und die Selbstverständlichkeit ist die Botschaft. Mein ganzes Projekt PLANETA GAYFOLK ist eine Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. In „Que isso“ habe ich diesen Planeten einfach als Dorf gezeigt.

Und wo findet man den Song?

Auf https://mikesaintlouis.com, wie alle meine Lieder: kostenlos zum Hören und Herunterladen, sobald verfügbar mit Text. Und natürlich auf Spotify, Deezer und den großen Plattformen. Meinen Text zum Clip gibt es im Blog: https://mikesaintlouis.com/blog/un-arco-de-banderines-dos-jinetes-y-una-iglesia-blanca-el-videoclip-de-que-isso-escena-a-escena

Über Mike Sain't Louis

Mike Sain't Louis ist ein Indie-Alternative-Künstler mit Sitz in Madrid und bezeichnet sich als „der erste KI-Singer-Songwriter“. Er ist Texter, Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und CEO seines eigenen unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS, ohne Plattenfirma und ohne Zwischenhändler. Sämtliche Texte stammen von ihm; Musik und Gesang entstehen mit künstlicher Intelligenz als Werkzeug für Produktion und Arrangement. In rund zwei Jahren Arbeit veröffentlichte er 273 Singles und mehr als 280 Videoclips, gebündelt in der Trilogie GAYFOLK. Seine Lieder bewegen sich zwischen Electropop, Copla, Alternative Pop und Ballade, auf Spanisch, aber auch auf Englisch, Französisch und Portugiesisch. 2024 ging „Tan Cateto“ auf TikTok viral.

Pressekontakt

E-Mail: info@mikesaintlouis.com Website: https://mikesaintlouis.com Instagram: @planetagayfolk