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Alemania ·

„Ich wollte keine Postkarte, ich wollte die Feuchtigkeit“: Mike Sain't Louis über rosa Wolken, Grachten aus Neon und sein Video zu „Amsterdam“

Ein Gespräch mit dem Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich „den ersten KI-Singer-Songwriter“ nennt, über eine Stadt, in der die Wolken auf die Straße gefallen sind, über einen Mann allein im Regen und über die Frage, warum er aus diesem Song keinen einzigen Vers zitiert

Mike Sain't Louis, ein Mann mit schwarzen Locken und Bart, in dunkler Jeansjacke über einem grauen Henley-Shirt, sitzt nachts im Regen vor einem Hauseingang und blickt zur Seite. Hinter ihm verschwimmen Straßenlaternen, Ampeln und Autolichter in Rot und Blau auf dem nassen Pflaster.
Mike Sain't Louis sitzt nachts auf einer regennassen Straße, die Lichter der Stadt spiegeln sich rot und blau im Asphalt.

Madrid, 25. Oktober 2026. Manche Städte erinnert man an einem Denkmal, andere an einem Gefühl auf der Haut. Für Mike Sain't Louis gehört Amsterdam eindeutig zur zweiten Sorte. Der Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, der sich selbst „den ersten KI-Singer-Songwriter“ nennt, hat dem Video zu seinem Song „Amsterdam“ einen langen Text in seinem Blog gewidmet. Darin führt er Einstellung für Einstellung durch eine Stadt, in der rosa Wolken bis auf das Pflaster gesunken sind. Wir haben mit ihm über Regen, Neon und Einsamkeit gesprochen.

Zur Einordnung: Mike Sain't Louis schreibt alle seine Texte selbst. Er ist Komponist, Musikproduzent, künstlerischer Leiter und Chef seines eigenen unabhängigen Labels MIKE SAIN'T LOUIS, ohne Plattenfirma und ohne Zwischenhändler. Musik und Gesangsstimme entstehen mit künstlicher Intelligenz. Er selbst singt nicht; die Stimme ist KI-generiert. Worte, Idee und Regie stammen von ihm.

Die Stadt

Herr Sain't Louis, warum ausgerechnet Amsterdam?

Weil Amsterdam für viele Menschen eine Stadt der Haut ist, nicht der Monumente. Feuchtigkeit, Fahrräder an jedem Geländer, das stille Wasser der Grachten, in dem sich die Lichter der schmalen Häuser spiegeln. Als ich an das Video dachte, wollte ich keine Postkarte. Ich wollte genau diese Feuchtigkeit. Eine Nacht, die an der Kleidung klebt.

Und dann sind die Wolken auf die Straße gefallen.

Ja, so ist es entstanden. Rosa Wolken, dicht, wie Watte. Sie bleiben nicht am Himmel, sie sinken bis auf den Asphalt, schieben sich zwischen die Laternen, treiben über das Wasser und hüllen die Leute ein, die vorbeigehen. Mittendrin läuft ein Mann. Fast immer allein. Manchmal rennt er, manchmal kniet er auf dem nassen Boden, manchmal setzt er sich hin und schaut. Und es regnet fast die ganze Zeit.

Die Bilder

Wie beginnt das Video?

Mit dem Titel in Neonschrift, kursiv, in einem weißlichen Rosa, über einer Straße am Kanal. Darunter mein Name in Violett. Die Straße ist nass, der Asphalt glänzt, als wäre er auch Wasser. Eine Reihe alter schwarzer Laternen verliert sich nach hinten, Fahrräder sind an ein Geländer gekettet, rechts parkt ein dunkles Auto. Und überall diese rosa Wolkenhaufen am Boden, als hätte jemand einen Sack Zuckerwatte auf dem Gehweg ausgeleert.

Klingt eher zärtlich als bedrohlich.

Genau das sagt die erste Einstellung schon. Das ist eine Stadt bei Nacht, im Regen und im Neon, aber sie macht keine Angst. Das Rosa macht alles weicher. Es ist eine Nacht, die traurig sein könnte und durch die Farbe zärtlich wird.

Haben Sie eine Lieblingseinstellung?

Ungefähr bei Sekunde 40 steigt die Kamera auf. Zum ersten Mal sieht man die Stadt fast aus der Vogelperspektive: eine lange, gerade Gracht, schmale, hohe Fassaden auf beiden Seiten mit gelb erleuchteten Fenstern, Boote am Ufer wie eine Reihe Schuhe, hinten eine Brücke. Und in der Mitte, über das halbe Bild, eine riesige rosa Wolke, die über das Wasser zieht. Die Wolke droht nicht, sie spaziert. Sie fährt die Gracht entlang wie ein Boot, langsam, mit eigenem Kurs. Das hat etwas von einem Kinderbuch und etwas von einem seltsamen Traum.

In Ihrem Universum passiert so etwas öfter, oder?

Auf dem Planeten GAYFOLK sind Himmel und Erde nicht immer da, wo sie hingehören. Es gibt Wolken, die zu Schaukeln werden, Autos, die schweben, Strände mitten in der Wüste. In „Amsterdam“ hat der Himmel beschlossen, einen Spaziergang an den Grachten zu machen. Das verändert die ganze Stadt: Alles wird weicher, intimer, als hätte die Straße ein Dach.

Die Zahlen

Wie lang ist das Video?

Genau fünf Minuten. Damit gehört es zu den längsten auf meinem Kanal. Es ist auf YouTube an einem Dienstag erschienen, am 22. Juli 2025. In meiner Videoreihe ist es die Nummer 127, direkt nach „No te vuelvo a mirar más“ und direkt vor „Light It Up“, das in derselben Nacht herauskam.

Und im Katalog der Singles?

Da ist „Amsterdam“ Song 150 von 273. Davor steht „Float“, danach „Drift Away“. Geplant habe ich das nicht, aber ich finde, es ist eine perfekte Nachbarschaft: schweben, sich treiben lassen und dazwischen eine Stadt, die auf Wasser gebaut ist. Der Song gehört zu „Ojalá se pudiera viajar a GAYFOLK“, dem mittleren Album meiner Trilogie. Das ist die Platte, die davon träumt, endlich auf einem Planeten anzukommen, auf dem man in Ruhe leben kann.

Der Text, der noch fehlt

Sie zitieren in Ihrem Blog keinen einzigen Vers aus „Amsterdam“. Warum?

Weil der Text von „Amsterdam“ noch nicht auf meiner Website steht. Also kopiere ich nichts daraus. Ich erzähle lieber von den Bildern. Wenn die Lyrics online sind, kann sie jeder selbst lesen, so wie bei allen anderen Songs.

Wer ist der Mann im Regen?

Einer, der fast immer allein durch diese nasse Nacht geht. Er rennt, er kniet, er sitzt und schaut. Mehr will ich gar nicht festlegen. Das Rosa erlaubt der Nacht, traurig zu sein, ohne dass sie kalt wird.

Warum das in Deutschland funktioniert

Für ein deutsches Publikum ist Amsterdam eine vertraute Nachbarstadt, und gerade deshalb ist Mikes Version so reizvoll: Sie zeigt keinen Ort für Touristen, sondern eine Stimmung, die jeder kennt, der schon einmal nachts allein durch nasse Straßen gelaufen ist. Wer sich für die Frage interessiert, wie künstliche Intelligenz die Musikproduktion verändert, findet hier außerdem einen Künstler, der offen über sein Werkzeug spricht und trotzdem jede Entscheidung selbst trifft. Das Foto zu diesem Interview passt dazu: Mike sitzt in einer regnerischen Nacht auf der Straße, und rote und blaue Lichter zerfließen im Asphalt.

Hören, sehen, herunterladen

Das komplette Video zu „Amsterdam“ läuft im Player des Planeten auf mikesaintlouis.com und auf YouTube. Den ausführlichen Blogtext (auf Spanisch) gibt es hier: https://mikesaintlouis.com/blog/un-hombre-solo-entre-nubes-rosas-y-canales-de-neon-amsterdam-y-la-noche-humeda-de-planeta-gayfolk

Alle Songs von Mike Sain't Louis lassen sich auf https://mikesaintlouis.com kostenlos anhören und herunterladen, jeweils mit dem vollständigen Songtext, sobald er veröffentlicht ist. Außerdem ist seine Musik auf Spotify, Deezer und den wichtigsten Streamingplattformen zu finden.

Über Mike Sain't Louis

Mike Sain't Louis ist ein Indie-Alternative-Künstler aus Madrid, Texter, Komponist und Produzent, der sich „den ersten KI-Singer-Songwriter“ nennt. In rund zwei Jahren Arbeit hat er für sein Projekt PLANETA GAYFOLK 273 Singles und mehr als 280 Musikvideos veröffentlicht, auf Spanisch, aber auch auf Englisch, Französisch und Portugiesisch. Seine Trilogie „Descubierto un nuevo planeta llamado GAYFOLK“, „Ojalá se pudiera viajar a GAYFOLK“ und „El día de la liberación“ erzählt von der Reise zu einem Planeten, auf dem jeder Mensch so leben kann, wie er ist. Stilistisch reicht sein queerer, frecher und unzensierter Alternative-Pop von Elektropop bis Copla. Viele Hörerinnen und Hörer entdeckten ihn 2024, als „Tan Cateto“ auf TikTok viral ging.

Pressekontakt

Mike Sain't Louis E-Mail: info@mikesaintlouis.com Web: https://mikesaintlouis.com Instagram: @planetagayfolk